wenn man nix zu sagen hat, kann man getrost auch mal still sein. Ich sitze gerade auf der Welle der Empörung und melde mich wieder wenn sie mich irgendwo an Land gespült hat.
jetzt muss ich wohl dazu schreiben, dass ich mich derart errege über die entscheidung bezüglich der hartz IV regelsätze. über die entscheidung und über die nicht stattfindende diskussion und über unmengen an dummen sätzen. diese dummheit und ignoranz ist es, die den sozialstaat gefährdet.
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Ich werde meine Schwester anrufen
Sagt Sansibar
Ich werde ihr eine Suppe vorsetzen
Und sagen
Wenn du dich spiegeln kannst
In dieser Suppe
Und sie dann auslöffelst
Wirst du wissen
Wie Vergebung schmeckt
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Und trotzdem fröhlich sein
Zwischen den tausend Falten
(ein Leben entfalten
nicht nur eine Erinnerung)
mit dem Leben bezahlt
jeder Tag
(außer den geträumten Stunden)
Aufgebahrt das Traumgepäck
Und all die gestohlenen Wörter
Die Lüge die sich zur Wahrheit legt
So anspruchslos und anschmiegsam
So wandelbar geschmeidig
Funkelnd leuchtend
Das auch
Der große Tod
Und wie wir uns ihm ein Leben lang verschreiben
Die zunehmend im Dämmer verbrachten Tage
Sorgfalt
Ich denke an diese Gedichte
Das Mädchen mit den tausend Falten
Rumänien
Weiße Haare
Nora Iuga
Was für ein Name
Tausend Falten
Dahinter ein Gesicht
Darunter ein Leben
Und ich
Die sich nicht begnügen kann mit dem lesen
Nichts festhalten
Nicht loslassen
Ein Fisch aus Stein
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„Zusammenkunft auf der Grundlage von Unterschieden“. Dieser Satz bleibt hängen. Jana Hensel hat ihn geschrieben, in ihrem Artikel mit dem Titel „Wir sind anders“ in der Zeit vom 23. September 2010. In dieser Stellungnahme wirbt sie für die Wahrnehmung des Unterschieds zwischen Ost und West. Zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen. Sie wirbt dafür, sich endlich der Tatsache zu stellen, dass diese Unterschiede mit vereinigt worden sind vor zwanzig Jahren. Vereinigt – nicht ausgelöscht.
Ebenso wie Integration bedeuten muss, Wege der "Zusammenkunft auf der Grundlage von Unterschieden“ zu suchen. Die Unterschiede zu integrieren, d.h. sie weder zu verbieten, noch zu gebieten, sie anzugleichen, sondern Anderes als anders wahrzunehmen, ohne es abzuwerten.
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Ich schubse mich durch den Tag
Dauernd dauert es mich
die tätige Anerkennung des Ratschlags
Bekenntnisse zum Mauerfall
zwanzig Jahre wie nichts
ein Stein auf den anderen
Abreißen geht schneller als aufbauen
Aufgeben auch
Wer spricht hat schon verloren
Wer spricht widerspricht dem Schweigen
Das Schweigen hat den längeren Atem
Also Recht
Zweifelhaft
ist ein rätselhaftes Wort
weil sich Zweifel (Verzweiflung) unmöglich aussperren lässt
(beachten Sie den subtilen Wandel von einem Geschlecht ins andere-
Untertitel: Geschlechtsumwandlung)
Ich habe etwas zu sagen
aber ich verrate nicht was
Verrat an der Zweifelhaftigkeit
Die Haft die an den Worten klebt
(schwerfällig)
Befolgen Sie meinen Rat
und Sie werden erfahren
wohin Sie das führt
(und so fort)
Das ist die Größe der Kleinigkeit
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Die Tücher aus dem Fenster
Jahrelang ausgewaschen gegen das Grau
und jetzt sagst du
nein du sagst nichts
und das ist es was die Gedanken in Kraft setzt
Die Gedanken – Mischmaschine
schwarze Gedanken und weiße Gedanken
ein Drache des Frohsinns
der die Prinzessin aus einem Meer des Trübsinns befreit
Und ihre Kinder grau in grau
d.h. in diesem Verhältnis gesund
(nicht nur lebenstüchtig sondern heil)
falls jemand versteht was ich meine
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Die Fragen, die Antworten, das Lügenquartett
Und auf dem Grund der Lügen Pechmarie (kaum zu erkennen)
Und Goldmarie (leuchtend goldig)
Frau Holle und der Frosch mit der winzigen Krone
(immer noch auf der Suche nach der verlorenen Kugel,
damit man ihn später zum Dank an die Wand werfen kann)
Wir verhalten uns politisch korrekt
Wir stellen nur angemessene Fragen
und schlucken die Antworten
die uns auf der Zunge liegen
(dann spucken wir aus.
Uns oder den Rest von Selbstachtung, der noch übrig ist)
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Ich brannte mir einen Fleck Licht
hinter die Stirn
(wir hinterfragen die hirnlosen Geschöpfe
Muscheln und Suppe und Herbstsalat)
Zeit sich an die Jacken zu erinnern
„die Taschen voller Finger“*
das ist nicht von mir
und nicht einmal wunderbar
nur wahr
wie die segelnden Blätter
auf denen die Träume sitzen
und die Hoffnungen
so leicht
und doch zu schwer für den Wind
*Hans-Jürgen Heise
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Ich kam über die sieben Berge
(sie versetzten mich
aber ich behauptete ich versetzte sie)
Viel später erst
in diesem Sarg aus Glas
habe ich mich der Einsicht gestellt
(zur Schau gestellt
schutzlos den Blicken preisgegeben
und dem was der Spiegel vertagt
- den Zerfall
seinen unstillbaren Hunger
die Mittel
und wie sie das Ziel erreichen
zuweilen humpelnd)
Ich hätte nicht in den Apfel beißen sollen
(diese Geschichte von der Erkenntnis)
Nesseln und brennende Dornbüsche
Aber wenigstens Bewegung
Und ich liege
Liege still
Ein Stillleben hinter Glas
Das ist was der Prinz sich wünscht
was mit mir zu tun hat
lässt er im Sarg
Wie heißt es so schön in den Märchen
Sie heirateten einander
und versprachen dem Glück
ihm von nun an
gemeinsam
im Weg zu stehen.
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