Bescheid wissen
Und dann ausnahmsweise sagen
Die Hände in den Taschen
In den Taschen Löcher
An den Wangen der Herbst
Blätter segeln sehen
Und mitfliegen
Dreimal drehen
Schweben
Und zum Schluss doch wieder auf dem Boden landen
Du sagen
Obwohl keiner zuhört
Blätter unter den Füßen rauschen lassen
Den Kopf in den Wolken
Vor einer dicken Eiche stehen bleiben
Bescheid wissen
Und dann ausnahmsweise sagen
In jeder Hand einen Apfel
In den Äpfeln Löcher
Und trotzdem nicht umkehren
Hier bin ich sagen
Obwohl keiner sich freut
Die Äpfel vor den Körper halten
Versuchen zu lächeln
sagen
Wir könnten Bratäpfel machen
Wenn die Tür sich leise schließt
Bescheid wissen
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Die Zeit begnügt sich mit sich selbst, während wir uns mit Begriffen füttern, ohne jemals satt zu werden.
Ein trüber Tag an dem wir jegliche Hoffnung verlieren.
Der Wind trieb den Winter voran.
Zurück blieben wir;
zwei Sprachlose auf einem Novemberfeld.
Unsere Blicke gingen aneinander vorbei.
Alarmbereit,
gebeutelt vom Stillstand
erfasste uns der Wind.
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Die Einsamkeit einer Frau
riecht metallisch.
Wie sie da steht
nicht ruht und doch rastet
während sie darauf wartet
dass sich einer an sie erinnert.
Nur eine Erinnerung
(ohne Bild, ohne Zeitangabe,
vor allem ohne Vergleich)
über ihren immer kalten Körper
legt und geht
ohne sie anzusehen.
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Dieser Januar
Wie eine weiße Wand
Ein unwirkliches Fieber
Als wäre das alles schon Jahre her
Und gleichzeitig erst gestern
So eine Nähe zur Zeit
So eine Entfernung zur Wirklichkeit
Alles aussaugen
(wie ein Vampir so weiß die Haut)
und nie wieder davonfliegen
mit dem zärtlich werbenden Wind
der mir auf seine Art hilfreich unter die Arme fährt
sie kühl streichelt
immer wieder beharrlich
als gäbe es einen Platz für mich
auf der Welt
in der Zeit
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Der Dichter übersetzt keine Vision in Worte. Seine Vision entwickelt sich aus ihnen.
Der Dichter entdeckt, was er sagen will, indem er es sagt.
Die Dichtung ist eine siegreiche Rhetorik.
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Im Schatten des genialen Malers mögen Dutzende begabter Maler heranwachsen, der Schatten des großen Poeten hingegen ist tödlich.
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Olga Tokarczuk in der Stadtbibliothek Bielefeld
Würde ich Bild- Niveau anstreben, oder jedenfalls mit Schlagzeilen operieren, die Überschrift für die gestrige Lesung von Olga Tokarczuk wäre schnell gefunden: Deutsche Verlage verweigern sich Blakes Versen.
Im Rahmen der Bielefelder Literaturtage, die dieses Jahr unter dem Motto „Beziehungsweise“ stehen, stellte Olga Tokarczuk gestern Abend ihren neuesten Roman „Der Gesang der Fledermäuse“ vor, einen Krimi, der im Original und auch in den bereits in andere Sprachen übersetzten Ausgaben nach einer Gedichtzeile von William Blake: „Treibe einen Pflock durch die Gebeine der Toten“ heißt. So ein Titel sei dem deutschen Leser nicht zuzumuten befand man.
Frau Tokarczuk liest nach einigen einleitenden Worten von Barbara Frey aus ihrem Roman. Sie liest auf polnisch, schnell und mit viel Temperament, im Wechsel mit Frau Frey, die die selben Passagen aus der deutschen Übersetzung liest.
Der vorgestellte Krimi spielt, wie die meisten Bücher von Olga Tokarczuk in Glatz, wo die Autorin seit gut zwanzig Jahren lebt. Ein besonderer, melancholischer Landstrich, der scheinbar weder Vergangenheit noch Gegenwart hat, sondern hauptsächlich Sehnsüchte aufeinander schichtet. Die ursprünglichen Siedler verließen den Landstrich, andere kamen, nur um sich nach der verlassenen Heimat zu sehnen. Hier siedelt Frau Tokarczuk ihre schrullige Heldin, Janina Duszejko, an, eine Frau, die etwas rebellisches hat, die aber ihre Umgebung auch nerven sollte, betont Frau Tokarczuk später im Gespräch und erzählt, dass sie lange gegrübelt habe, welche Eigenschaft, welchen Tick sie Janina verleihen sollte, damit ihre Mitmenschen sie wirklich anstrengend finden würden. Auf einer Party habe sie dann beobachtet, wie eine Frau die Gäste beständig nach ihren Sternzeichen und Aszendenten befragte und wie überfordert und gereizt die Reaktionen darauf waren. In dem Moment war Janinas Leidenschaft für Astrologie besiegelt.
Diese astrologiebegeisterte alte Dame spielt eine wesentliche Rolle bei der Aufklärung mysteriöser Morde, denen ausnahmslos Jäger zum Opfer fallen und bei denen Rehe eine seltsame Rolle spielen.
Das die Lesung abschließende Gespräch ist unterhaltsam und aufschlussreich, Frau Tokarczuk ist ein Profi, der geschickt die richtigen Anekdoten zur rechten Zeit zu erzählen weiß, und ihre sympathische Übersetzerin versteht es, den Charme ins Deutsche zu übertragen.
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Der Zweifel, das Schreiben aus ihrem unvergleichlichen Essay "Schreiben"
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