Lieber Nes,
ich schreibe dir in der Gewissheit,
dass meine Worte dich niemals erreichen.
so bleibt die Haltbarkeit meiner Sätze
gewährt. Die sich als überlegen erweisen
gegenüber der Vergänglichkeit
flüchtiger Gefühle.
Der trostlose Gruß
einer siegreichen Zeit.
So lange wir schreiben,
gibt es immer einen,
der uns vergisst,
weil man anders nicht
aneinander denken kann.
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Lieber Nes,
Die Nächte sind bleiern
Jeder Tag beginnt mit einem Traum
Auch du spielst eine Rolle
Du bist ein Spieler
Du spielst sie gut
Manche Tage sind dunkel
Wie ein Tango
Die Worte umtanzen mich
Ich bekomme sie nicht zu fassen
Aber du weißt doch
Am Anfang war das Wort
Und dann erst der Traum
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Mein Part ist
Es aufzuschreiben
Es auszuhalten
Und es aufzuschreiben
Nicht wie ein Märchen
Nicht wie eine Geschichte
Nicht einmal wie eine Möglichkeit
Eher
Wie ein vertrockneter Seekrebs
Im weißen Sand
Es genau so aufzuschreiben
Wie er da liegt
Ein Krebs
Vertrocknet
Im Sand
All die Leben
Die ich nicht lebe
Damit ich aufwache
Und weiß
Ich habe mich nur geträumt
Es gibt mich nicht
Nicht einmal meinen Traum von mir
Nur weiß gepuderte Seekrebse
Und meinen Part es aufzuschreiben
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In der Kunst geht es nicht um eine Anleitung zum richtigen Leben, sondern um die Erfahrung des Zweifels. Die Kunst geht nicht auf in der Wirklichkeit [...] Vielmehr liegt ihre Stärke in dem Abstand, den sie erlaubt, nicht zuletzt zu den eigenen Kategorien des Richtigen und Falschen
Hanno Rauterberg in der Zeit vom 03. Mai 2012
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»Ich schreibe Gedichte, um zu erfahren, wovon sie handeln.«
Oleg Jurjew
"Der Vorwurf der Unverständlichkeit eines Gedichtes fällt auf den Lesenden zurück. Es sei denn er kann glaubhaft machen, daß es dem Schreibenden möglich gewesen wäre, sein Gedicht zu lesen, bevor er es geschrieben hatte."
Igor Samoljenko
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Erzählen das bedeutet, einen Bogen spannen, wo zunächst keiner ist, den Entwicklungen Struktur und Folgerichtigkeit gerade dort verleihen, wo die Wirklichkeit nichts davon bietet - nicht um der Welt den Anschein von Ordnung, sondern um ihrer Abbildung jene Klarheit zu geben, die die Darstellung von Unordnung erst möglich macht.
(Daniel Kehlmann, "Wo ist Carlos Montúfar?)
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Wenn der April eine Frau wäre
Launisch und unberechenbar
Und der etwas ältere Mai
Ihr Mann gemäßigt in allem
Was er tut bescheiden und tüchtig
Die Nachmittage hellgrau umhüllt
Wie eine endlos eintönige Wiederholung
Nachahmung weil Wiederholung zu
Vielversprechend wäre
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Notizzettel
meine gelbe Jacke
Und auf der Lehne vom Stuhl
ein Stück Papier
Brotkrümel und Honigflecken
Vor dem Fenster lauert der Tag und will rein
Auf der Straße die Kinder mit ihren Rädern
Klingeln und singen und fallen hin
Sind wir denn jemals so verletzlich gewesen
Und unser Leben so voll
Ohne fragwürdige Antworten
Dafür jedes Wort immer wieder ganz neu
Und von weitem ein Aprilgewitter
Aber am Horizont zieht schon ein Regenbogen auf
Und geht wie die Zeit
Darüber hinweg
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