Montag, 26. Januar 2009

Etwas

Die Zeiten, die dich festhalten,
die dich der Gegenwart fernhalten.
Ich habe dich aus den Augen verloren
Ich habe meine Augen verloren
Die Figuren beschreiben
Die Figuren abschreiben
Dieses leise Bedauern, wenn etwas zu Ende geht
Ein Tag, eine Jahreszeit, ein Leben
Vergessen worauf ich warte,
Bevor das Ende mich einholt
Bist du gekommen, die Toten aufzuwecken?
Die Zeiger der Uhr
Mehr als ein schwacher Trost
Und die Art wie sie unbeirrbar
Im Kreis sich drehen
Und du fängst eine Flasche Luft
Bietest sie niemandem an
Und streichst dir selbst die Blässe von der Stirn
Etwas, das dir Schauer über den Rücken treibt
Setzt sich zu dir aufs Bett
Nicht die schlechteste Art allein zu sein
Denkst du
Und verkorkst die Flasche
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Der Leuchtturm

Barfuss durch den Sand, deine kleine Kinderhand in meiner Hand, unsere Blicke auf den Boden geheftet, tote Krebse begutachtend, Muscheln suchend. Dein Bruder weiter zurück, mit seinem Vater.
Der Leuchtturm, rot-weiß gestreift, war das der selbe Tag? Der Himmel immer blau. Schnell abgestiegen von der Aussichtsplattform, so eng, so viele Menschen, die kleine gewundene Treppe hinab. Und unten diese Frau mit ihrer Frage. Meine Weigerung ein Foto zu machen, von ihr (und ihrem Kind, ihrem Mann?), weil ich nichts festhalten wollte, weil ich vergessen wollte, dass man etwas festhalten kann, einfrieren, festschreiben, in einen Rahmen zwingen, hinter Glas und wie viele Jahre es dauert bis das Bild verblasst. Die Jahre, in denen es die Erinnerungen Lügen straft. Das Fehlen der Möwen auf dem Bild, das Fehlen jeglicher Geräusche, der Gerüche, der Stille.
Die erwartungsvoll hingereichte Kamera, der verblüffte Ausdruck (nicht einmal enttäuscht), weil ich Nein sagte (die kann doch nicht einfach Nein sagen). Diese Frau, die ich sofort aus den Augen verloren habe (ich würde sie nicht wiedererkennen und hätte ich das Foto gemacht, ein Abdruck von mir in ihrem Leben, ein Beweis, dass ich existiert habe an diesem Tag, an diesem Ort, ein Beweis von mir in einem fremden Fotoalbum. „Ich weiß nicht mehr, wer das Foto gemacht hat, irgendjemand.“)
Und der Leuchtturm, ungerührt, träumt noch immer von Zitronenbäumen.
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